Gucci ist die derzeit erfolgreichste Mode-Marke. Keine andere wird mehr über Google gesucht, in der Presse genannt, über Instagram geliket und online wie offline gekauft. Der Umsatz stieg um fast 50 Prozent. Was macht Chef-Designer Alessandro Michele richtig? Was kannst du von Guccis Erfolg in deinen Style einbauen? Und wie kannst du dir auch mit wenig Geld die Luxusmarke leisten?

Gucci-Designer Alessandro Michele hat der Marke Gucci neues Leben eingehaucht: Ausgerechnet der androgyne Mann aus Italien mit Fönwelle, Blumenwiese-Look und Schmuckbehängung à la Weihnachtsbaum hat den Staub vom Doppel-G geblasen und die italienische Marke, besser gesagt den Gucci-Style, wieder modern gemacht.

Kein Gucci-Sale mehr – aber Gucci-Style-Tipps

Die Herbst-/Wintermode Show 18/19 „Cyborg“ in Mailand hat abermals für offene Münder gesorgt. Auf eBay werden Gucci-Taschen, Gürtel, Caps, Brillen und Schuhe teuer gehandelt, auf Google wird Gucci fleißig gesucht. Viele suchen hier nicht nur nach dem Gucci-Duft Gucci Guilty, sondern auch nach dem Gucci-Sale. So viel vorweg: den macht Gucci seit ein paar Jahren nicht mehr.

Was kann mann nun von der Gucci-Strahlkraft und den Umsatzerfolgen mitnehmen und in seinen eigenen Style einbauen? Mancher vergleicht den Gucci Erfolg bereits mit dem von Apple. Die besten sieben Tipps vom Gucci-Laufsteg übertragen auf tragbare Alltags-Looks.

Hier auf der Vogue-Seite könnt ihr seine aktuelle Kollektion für dieses Frühjahr durchklicken.

Gucci-Style Nr. 1: Nutze Konstraste

Der komplett durchdesignte Look ist langweilig und gestrig, sagen Mode-Experten wie die Modejournalistin Elke Giese. Moderne Outfits arbeiten mit Brüchen, wie Gucci in der Sommerkollektion 2018 zeigt: Kurze Sporthosen mit Anzug-Sakko, Halsketten zum Sakko, Schlangenmuster-Tasche zum Karo-Zweireiher.

Vom Laufsteg in den Alltag: Baue Kontraste in deine Looks ein. Die Sneakers zur Anzughose sind der bekannteste Bruch, der College-Look zum Anzug, die Halskette zum Sakko der nächste Schritt. Schauspieler Lars Eidinger hat dies übrigens bei der Chanel Show in Hamburg vorgemacht. Damit wären wir bei…

Gucci Style
Blumen-Print, Farb-Kontraste auffällige Accessoires: So funktioniert der Gucci-Style. Foto: istock, Sanne Berg

Gucci-Style Nr. 2:  Geschlechter-Grenzen adé

Androgynität ist ein großer Trend 2018. Frauen bedienen sich seit eh und je an der Männer-Mode. Coco Chanel hat dies als eine der ersten Frauen vor- und erfolgreich gemacht. 2018 ist es an uns Herren, Elemente der Frauenmode in den eigenen Stil zu übernehmen und etwas weicher daherzukommen. Gucci macht dies mit vielen Armreifen, barrocken Ringen, Materialien wie Spitze und Schluppen-Bluse.

Vom Laufsteg in den Alltag: Einzelne Elemente aus der Gucci-Kollektion funktionieren auch im Alltag. Entdecke den Softie in dir mit floralen Mustern, auffälligeren Ringen, einer Brosche am Revers und auch mal einer Kette um den Hals. Oder zwei. Das steht nämlich nicht nur Frauen, wie Chris Burtallan hier beweist. Das führt übrigens zu Punkt Nummer Drei.

Gucci-Style Nr. 3 Sehe jünger aus

Zugegeben: die männlichen Models vom Gucci-Laufsteg haben was von Harry Potter trifft Barbara aus Stranger Things und Gottlieb Wendehals ist wieder auferstanden. Eines sehen sie aber nie aus: alt.

Vom Laufsteg in den Alltag: Florale Muster oder Stickereien auf Jeanshemden machen Männer nicht nur zu Softies – sie machen auch jünger. Wer hierzu einen guten Blazer trägt, zum Beispiel aus Samt, kriegt auch noch gut die Kurve. Auch den angesagten College-Look kann mann gut in den Alltag übertragen. Zum Beispiel in Form einer College-Jacke oder eines Cardigans, siehe mein Blogpost. Ein Seitenscheitel mit zugeknöpften Kragen macht dich zum Musterschüler. Mit farbiger Sonnenbrille in 1970er-Marnier perfekt. Jared Leto – Guccis prominentes Gesicht – zeigt übrigens sehr gut, wie mann Gucci auch im Alltag tragen kann. Dieser Mann ist übrigens Jahrgang 1971! Ich finde das unglauglich.

Gucci-Style Nr. 4 Kleide dich dramatisch(er)

Langweilig sieht mann in Gucci 2018 bestimmt nicht aus. Die übergroßen Brillen, der schwere Samt oder das schreiende Gucci-Monogramm sind alles andere als monoton. Hinzu kommen die mutigen Farbkombinationen und übertriebenen Proportionen, zum Beispiel übergroße Schultern. In der Frühjahr/Sommerkollektion 2018 trifft Orange auf Rot, auf Pink auf Brombeer. Und Gucci zelebriert zudem den wilden Muster-Mix, die Königs-Kür des Stylings.

Vom Laufsteg in den Alltag: Die übergroße Brille im 1970er-Stil, der Animalprint bei der Tasche. Schlangenleder-Schuhe sind zum Beispiel ein Trend, der sich auch bei Ex-Gucci-Chefdesigner Tom Ford auf dem Laufsteg wiederfindet. Und ein cooles Statement-Shirt oder mit Bugs-Bunny-Pendant findest du auch bei günstigeren Marken.

View this post on Instagram

Ha I need this one #guccigang #gucci #guccibugsbunny

A post shared by Hype X (@hype____x) on

Gucci-Style Nr. 5: Hol dir (endlich) eine Tasche

Eine Shopping-Bag von Gucci für 1.700 Euro – das ist unbezahlbar. Und zugegeben: das laute Gucci-Design darauf alles andere als ein Klassiker. Eine Tasche mit Katzen-Print – sie wird nicht zeitlos sein und in zwei, drei Jahren eher im Schrank bleiben.

Vom Laufsteg in den Alltag: Den Trend kannst du trotzdem in deinen Style einbauen. Denn neutrale Shopping-Bags („Shopper“) sind groß im Kommen und gerade für den Frühling und Sommer ein guter Begleiter in der Stadt und auf dem Weg ins Büro. Damit zeigt sich auch hier wieder, dass Männer den Taschen-Trend von Frauen immer mehr übernehmen.

Ein zweiter großer Taschen-Trend von Gucci: die Bauchtasche. Als Jugendlicher der 1990er bin ich hier allerdings schwer geschädigt. Die Bauchtasche aus Polyester hat mich für diesen Trend für immer verdorben. Sie steht aus meiner Sicht auch eher den zierlichen Männern als den kräftigeren.

Gucci-Style Nr. 6: Habe etwas zu sagen

Die Kollektion von Gucci im nachgebauten Operationssaal war nicht nur wilder Muster-Mix und Freak-Show, mit ihr hatte Alessandro Michele wirklich was zu sagen: Unsere Identität ist ein Konstrukt. Wir sind Versatzstücke aus verschiedensten Einflüssen.

Vom Laufsteg in den Alltag: ein gutes Statement-Shirt mit einem klugen Spruch sollte durchaus demnächst in deinem Warenkorb landen. Gerade in diesen politisch heiklen Zeiten steht dir ein Spruch auf dem Shirt, der für Weltoffenheit steht, besonders gut. Auch eine gesunde Portion der Selbstironie kann nicht schaden, wie Gucci zeigt: Never marry a mitford

Übrigens: Gucci sagt in seinen künftigen Kollektionen Nein zu Pelz. Ein gutes Statement, deshalb: lieber Fake-Fur.

Gucci-Style Nr. 7: Go Vintage

Zu den Versatzstücken gehört auch der große Fundus, in dem wir uns 2018 bedienen können. Sind die 1970er wieder im Kommen, die 1980er noch in oder die 1990er en vogue? Bei Gucci läuft alles durcheinander. Hier sehen die Models aus wie zu Guccis Glanzzeiten in den 1970ern und dann wieder wie die junge Melanie Griffith in „Working Girl“ auf dem Weg zur Aerobic-Stunde.

Vom Laufsteg in den Alltag: Spiele mit Retro-Elementen. Die große Gucci-Sonnenbrille aus den 1970ern findest du auch auf eBay oder im Second-Hand-Laden. Oder ein schönes Seiden-Einstecktuch fürs Frühlings-Sakko. Womit wir bei der letzten Frage wären: Wie kann ich das Luxus-Label günstig kaufen?

Gucci günstig kaufen:

  • Old is gold: Viele Käufer von Luxus-Artikeln hegen und pflegen diese, statt sie zu tragen – und dann verstauben sie im Schrank und irgendwann folgt der Verkauf. Das ist deine Chance zuzugreifen und zum Beispiel den Marken auf eBay zu folgen. So bin ich an ein schönes Portemonnaie gekommen. Bei Kleidung gilt übrigens der schöne Satz in Anlehnung an Sir Hardy Amies: Kleidungsstücke sind zum Tragen da.
  • Labels in little: Eine Jacke von Gucci oder sogar eine Tasche – das sind schnell vierstellige Beträge. Günstiger sind Accessoires wie Brillen, Gürtel, Schals oder Einstecktücher.
  • Outlets nutzen: Auch Luxus-Marken sind in Deutschland und Österreich in Outlets vertreten. Gucci gibt es zum Beispiel in Roermond und Metzingen und in der Nähe von Wien. Hier sparst du noch mal Geld. In Metzingen müssen alle Angebote MINDESTENS 30 Prozent günstiger als im regulären Handel sein. Bester Shopping-Tag im Outlet ist by the way: der Donnerstag. Dann kommt die Ware fürs Wochenende und das Outlet ist nur schwach besucht. Galileo hat hierüber neulich berichtet.
  • Denke langfristig: In Zeiten der Fast-Fashion haben Kleidungsstücke leider nur noch eine begrenzte Lebenszeit. Ein Luxus-Artikel sollte dich hingegen über Jahre begleiten. Nur so lohnt sich wirklich der Preis. Setze deshalb lieber auf Klassiker als auf ein trendiges Design. Wird mir das Teil noch in fünf Jahren gefallen? Kann ich Farbe und Muster gut in meine Basisgarderobe integrieren? Was nutzt der Gucci-Schal in Taupe, wenn diese Farbe überhaupt nicht zu deiner Farbpallette passt?
  • TK Maxx: Von bösen Zungen als „Klamotten-Friedhof“ verschrieen – doch eine Gucci-Goldgrube: Hier kannst du in der Gold-Label-Ecke tatsächlich auch Gucci finden. Denn: auch Luxus-Marken werden nicht alle Artikel los. Der Weiterverkauf von Kleidung ist in der Branche üblich. So sind auch Versace, Moschino, Michael Kors und andere Labels zwischen den Kleiderständern zu finden.
  • Marken-Imitate nutzen: Reingefallen! Diesen Tipp wirst du hier von mir nicht bekommen. Marken-Fakes sind aus meiner Sicht rausgeschmissenes Geld: die Qualität ist so gut wie immer miserabel, der Kauf sieht billig aus. Und wer will schon billig aussehen? Hinzu kommt, dass gefakte Sonnenbrillen den Augen sogar schaden können, weil sie das Licht eben nicht ordentlich filtern. Bei Gürteln geht die Schlaufe ab, bei Taschen fallen die Nieten aus – spar dir all das und kaufe lieber das Original. Wenn nicht als Erster, dann Second-Hand über Verkaufsplattformen. Und für Letzteres gilt: immer die Rechnung zeigen lassen. Denn leider werden auf Online-Plattformen auch Diebstähle verkauft. Und leider gibt es auch Betrüger-Seiten, die Marken-Artikel für unrealistisch günstige Preise inserieren, nur um an Kreditkartendaten zu kommen. Hier gilt: der gesunde Menschenverstand sollte beim Einkaufen immer dabei sein. Hierzu auch mein Artikel über die Sale-Tipps und Sale-Fallen.