Ob Florenz, Paris, London oder Berlin: Die wichtigsten Fashion Weeks in Europa haben die großen Kollektionen präsentiert. Dabei zeichnen sich klare Männermode-Trends für 2020 ab. Style Statements hat die Modenschauen verfolgt, die Fachpresse gelesen und die Berlin Fashion Week besucht. Hier verrate ich euch die 10 Key-Pieces für Herbst/Winter, die sich als Investment 2020 auf jeden Fall lohnen.

Eine volle Berlin Fashion Week geht zu Ende. Die Besucher pressten sich durch die Hallen der Fachmessen – natürlich ging es in erster Linie um die Trends der Frauen- und Männermode 2020, aber auch die Sorge über die Herausforderungen der Zukunft schwang mit. Sie macht viele Modeproduzenten derzeit ratlos und treibt sie zum Austausch.

Wie umgehen mit dem wachsenden Online-Shopping, das dem stationären Handel immer mehr Kunden abgreift? Was tun mit dem derzeitigen Megathema Klimaschutz und Nachhaltigkeit? Jüngst schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von „Shopping-Scham“; die Modebranche sei ein noch größerer Klimasünder als die Luftverkehrsbranche (Artikel leider nicht online lesbar). Und dann ist da erneut ein schwaches Modejahr zum vierten Mal in Folge; geht es noch mal aufwärts mit dem Umsatz?

Es gibt einfach zu viele Marken und Kleidungsstücke, erklärt Anita Tillmann, Chefin des Premium-Messe-Verbundes, im Tagesspiegel. International gewinnt die Männermode zwar an Zugkraft und toppt sogar die Umsatzzuwächse der Frauenmode, wie Euromonitor 2018 feststellte (und den Aufwärtstrend für die nächsten Jahre festschrieb) – aber das liegt vor allem an den Asiaten, wie zum Beispiel den Chinesen in der Mittelschicht, die hungrig nach Anerkennung und Status, in die europäischen Boutiquen der Luxusmarken stürmen. Der Deutsche ist und bleibt weiterhin ein Modemuffel, bilanzierte Stilberaterin Stefanie Diller und sagte vorige Woche in einem langen ZEIT-Interview:

„Den Deutschen fehlt der Sinn für Mode.“

Bei mir löst ein solches Zitat gleich Protest aus; ich sehe in Berlin viele Männer, die sich gut anziehen. Ich entdecke vor allem bei den jüngeren Männern ein starkes Interesse an Mode und Trends – und ich merke hier auch bei meinem Blog, wie viele Besucher die Trendthemen interessieren. Sonst hätte mein Trend-Artikel von 2019 nicht über 23.000 Aufrufe! Doch mir ist auch bewusst, dass ich in einer Blase lebe und mich mit Menschen umgebe, die eine Leidenschaft für Mode haben, und es lieben, sich gut anzuziehen.

Also Männer, beweisen wir doch hier das Gegenteil und zeigen, wie Männer und Mode gut zusammenpassen.

Bevor ich zu den Trends komme, möchte ich hier noch eine zweite Sache vorwegnehmen: Die deutschen Marken und auch die Berlin Fashion Week kranken aus meiner Sicht am selben Problem: Sie sind zu wenig international ausgerichtet. Wo sind die großen europäischen Marken, die Männermode in Berlin zeigen? Warum noch nicht mal die großen deutschen Marken? Jill Sander geht nach Florenz, Hugo Boss zeigt in New York – dort ist das Geld, dort ist das Prestige, dort ist das größere Bewusstsein für den Wert der Mode. Und deshalb möchte ich euch im Folgenden nicht nur die Trends aus Berlin vorstellen, sondern Florenz, Mailand, London und Paris immer mitberücksichtigen.

Die weltweit größte Männermode-Messe Pitti Uomo machte den Anfang. Auch hier gingen dieses Jahr zwar die Ausstellerzahlen um zehn Prozent zurück – doch was die verbliebenen Aussteller zeigten, konnte sich definitiv sehen lassen! Auf der Pitti Uomo zeichnete sich die Abkehr von der Street Wear und die Rückkehr zu gutem Tailoring weiter ab. Das heißt konkret für dich und für diesen Trend-Artikel:

Tipp 1: Investiere in ein gut sitzendes Sakko, das du vielseitig tragen kannst.

Ein Jersey-Sakko oder Stretch-Stoff zum Beispiel passt sehr gut zu einem geschäftlichen und freizeitlichen Look.

„Real Guys wear ties“ – diesen Tipp habe ich auf der Berlin Fashion Week gesehen und mich herrlich amüsiert. Was sich gut reimt, hat aber leider wenig mit der Realität gemein. Die Krawatte stirbt aus. An ihre Stelle treten flexible Outfits fürs Büro, in denen das Sakko 2020 die Hauptrolle spielt. Immer mehr Männer möchten flexible Anzuglösungen („Split Suits“) und immer weniger das klassische Dreierset aus Hose, Sakko und Weste. Sie möchten eine Hose, die sie auch ohne Sakko mal zu einem eleganten Hemd tragen können – und ein Sakko, das auch zu einer stylishen Jeans passt. Und sie mögen es beim Sakko nicht nur sportlich, sondern flexibel. „Active-Elemente“ finden zum Beispiel im Sakko zunehmend Anwendung, damit sind neue Kunstfasern gemeint, die das Sakko atmungsaktiver und leichter machen. Solche „Smart-Tailoring“-Lösungen werden verstärkt 2020 in die Läden kommen.

Ausgerechnet im Jahr des Brexits steigt zudem die britische Schneiderkunst in der Gunst; ihr Stil und ihre Eleganz wurde auf der Pitti Uomo gefeiert.

Tipp Nummer Zwei: Denke britisch und kaufe den Brit-Look, in Form einer Stoffhose mit Karo-Muster oder zum Beispiel eines Sakkos mit Kontrast-Nähten und aufgenähten Taschen.

Solche Outfits feiern den „New-Heritage-Hype“: Das Karomuster, Pepita und Hahnentritt kommen zurück, allerdings mit Materialien, die nicht kratzen und nicht zu schwer sind. Investiere folglich in ein Retro-Sakko und trage es am besten in Kontrast mit einem sportlichen Teil, wie zum Beispiel einem Hoodie oder Sneakern.

Das ist ein Trend, der sich auch auf der Mailänder Modewoche zeigte. Diese war gekennzeichnet durch eine starke Sehnsucht nach einer eleganteren Menswear, bilanziert zum Beispiel Gordon Frey von Fashion Network. Weitere große Trends:

Tipp Nummer Drei: Beim Wintermantel bleibt es voluminös. Bevorzuge einen Mantel, der aufträgt: Schnitte im Oversized-Stil und lange Daunenjacken sind der Trend für 2020.

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Tipp Nummer Vier: Auch beim Pullover darf es groß und grob bleiben. Dicke Bauernpullover sind eine starke Tendenz für dieses Jahr. Zum Beispiel Pullover mit groben Strickmustern aus Wolle.

Sie entsprechen dem starken Trend zur Naturverbundenheit. Mit einem groben Pullover, derben Stiefeln und dem Layering-Look aus T-Shirt, Hemd und Weste bist du genau richtig angezogen!

Tipp Nummer Fünf: Lege dir ebenfalls einen überdimensionierten Wollstrick-Schal zu. Er ist in vielen Kollektionen das Style Statement für diesen Herbst/Winter.

Tipp Nummer Sechs: Die klaren Statement-Farben im Outfit kehren bei der Männermode zurück. Männer haben Mut zur Farbe! Gelb wird hier zum Beispiel eine starke Rolle spielen.

Natürlich in der dunkleren Variante. Safrangelb, Orange-Töne und Rost-Rot werden die Männermode im Herbst/Winter 2020/21 prägen. Wie Männer Gelb tragen, habe ich dir hier zusammengestellt.

In der Stadt der Marken wie Vivienne Westwood und Alexander McQueen läuft alles anders. London mag es, die Regeln zu brechen und das europäische „enfant terrible“ zu spielen. Das meint in der Männermode: Upcycling, Repurposing, Handmade, Green Fashion und Nachhaltigkeit. Alles große Trends, die die britischen Designer in ihre Mode integrieren und hierfür den Weg auf dem europäischen Markt mehr und mehr frei machen. Gut so. Patrick Grant vom Traditionshaus E.Tautz hat zum Beispiel angeblich fünfzig Prozent seiner Kleidung aus der aktuellen Saison aus recycelten Kleidungsstücken gemacht. So tragen die Models zum Beispiel Pullover und Patchwork-Taschen aus Jeans und weißen T-Shirts. Und das sieht großartig aus! Zudem kündigte er an, dass seine künftigen Kollektionen nicht mehr so stark von Saison zu Saison variieren werden, sodass seine Kundschaft nicht länger alle sechs Monate neue Kleidung kaufen muss.

Das müssen auch deutsche Kunden nicht. Auf der Berlin Fashion Week habe ich die Premium Messe und FashionTech besucht und hier schnell den Eindruck gewonnen, dass sich auch die deutschen Marken bei ihren Trends aus der Vorsaison treu bleiben und hieran anknüpfen.

Tipp Nummer Sieben: Overshirts etablieren sich als neues Kleidungsstück im Kleiderschrank. Hast du noch keins? Dann lege dir ein solches in einem dunklen Blau oder Schwarz zu.

Ein Overshirt ist ein locker geschnittenes Hemd aus einem derberen Stoff wie Jeans oder Flanell, mit aufgesetzten Brusttaschen, das an den Arbeiter-Look unserer Großväter erinnert. Es ist etwas dicker als ein herkömmliches Hemd und eignet sich insofern herrvorragend als Ersatz für eine Strickjacke und im Frühjahr sogar für die Übergangsjacke (daher auch zuweilen Shirt Jacket genannt).

Tipp Nummer Acht: Auch die Hosen bleiben lockerer und sportiver.

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Das Warenbild 2020 wird geprägt sein von oben locker und unten spitz zulaufenden (tapered cut) sowie knöchelfreien Modellen. Mit so einem Hosen-Modell liegst du genau richtig!

Hier dürfen Männer folglich 2020 mit Volumen spielen, sagt die Textilrevue voraus: „Workwear, aufgelockerte Jogg-Styles, weite Bundfaltenvariationen, Tapered Cuts und verkürztes Bein setzen Akzente.“

Tipp Nummer Neun: Setze auf winterliche Braun-Töne. Eine der Trendfarben für 2020 ist Sugar Almond.

Das satte Mandelbraun ist mir in vielen Kollektionen auf der Fashion Week begegnet. Auch mit den anderen Erdtönen kannst du 2020 viel richtig machen. Sie kehren zurück (oder waren sie jemals wirklich weg?). Dazu schreibt die TextilWirtschaft, dass braune Erdtöne die Key-Looks prägen werden. Den Camel-Mantel kannst du weiterhin gut tragen, hinzu kommen Kaffee- und Kakao-Töne als Aufsteiger und Konkurrenten zu den Top-Sellern Grau und Schwarz.

Tipp Nummer Zehn: Cord. Auch Cord bleibt als Material schwer angesagt 2020: Trage es als Hemd, Sakko oder als Hose, zum Beispiel in Kombination mit einem Karo-Hemd.

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Fertig ist der urbane Naturburschen-Look für den Herbst und Winter 2020! Ich freue mich auf die Trends. Was haltet ihr von den neuen Key-Pieces? Schreibt es mir in den Kommentaren.